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Mein liebes und herzverwandtes Mütterchen Valentina!

Trachtet vor allem nach dem Reich Gottes und seiner Wahrheit. Kann sich ein Mensch etwa aus eigener Kraft seine Existenz sichern? Wenn ihr euch körperlich müht, dann solltet ihr dies auch geistlich tun. Sein Herz muss man ebenso, ja sogar noch mehr bearbeiten, als den Garten. Wenn ein Mensch sogar andere Menschen, die er für sich arbeiten lässt, bezahlt, wird der Herr dann etwa die ohne Lohn gehen lassen, die für ihn zu arbeiten bereit waren? Was aber bedeutet, für ihn zu arbeiten? Das wissen Sie sehr gut. Es bedeutet zu beten und sich genau zu beobachten, gegen seine Gedanken anzukämpfen und nicht wegen irgendwelcher Kleinigkeiten mit anderen in Streit zu geraten, sondern vielmehr im Konflikt mit anderen nachzugeben, auch wenn die Sache deswegen Schaden zu nehmen scheint (später werden Sie viel mehr Gewinn daraus ziehen). Es bedeutet, sich zufrieden zu geben, seine geheimsten Gedanken einander zu öffnen und öfter zum Abendmahl zu treten usw.

Kann man all dies tun, während man arbeitet? Wenn auch nicht alles, weil wir schwache Wesen sind, so doch Vieles. Aber auch wenn man es nicht tut, kann man es wenigstens bereuen und auf diese Weise zur Demut gelangen. Auf keinen Fall jedoch sollte man sich rechtfertigen, denn durch Selbstrechtfertigung versagen wir es uns, geistlich zu reifen. Wenn wir nicht das tun, was wir tun sollten, und nicht bereit sind, Beleidigungen und Kränkungen zu ertragen, und so auch durch diese nicht zur Demut gelangen, dann weiß ich schon nicht mehr, was ich sagen soll. Worin unterscheiden wir uns dann noch von den Ungläubigen? Deshalb bitte ich euch alle: Ertragt Beleidigungen und die Kritik der Menschen an euch, auch wenn diese nicht gerechtfertigt sind. Ein jeder trage des anderen Last (Gal. 6,12), um so wenigstens die Unzulänglichkeiten unserer geistlichen Arbeit auszugleichen. Das Wichtigste ist, zu begreifen, dass man sämtliche Beleidigungen und alles Leid verdient hat (wir empfangen, was unsere Taten wert sind – Lk. 23,41).

Es ist euch klar, dass die Menschen der letzten Tage vor dem Weltenende durch Leiden zum Heil gelangen. Sind wir also von diesem Gesetz ausgenommen? Nicht umsonst haben die Heiligen Väter geraten, immer öfter, viele Male jeden Tag, des Todes und des Jüngsten Gerichtes zu gedenken sowie sich daran zu erinnern, dass wir vor dem Herrn für alles, was wir tun, für jedes Wort und jeden Gedanken, Rechenschaft ablegen müssen. Also auch für jede Lüge und für unseren Hang zu allem Irdischen, für unsere Ehrsucht und für alles Geheime, was nur Gott und unserem Gewissen bekannt ist. Denkt auch ihr öfter daran.

Möge der Herr euch alle segnen!



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