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Liebes Mütterchen Valentina!

Ich habe Ihren Brief erhalten. Ich danke Ihnen für alles.

Es ist nämlich so, liebes Mütterchen Valentina: Je näher ein Mensch wirklich, nicht nur illusorisch, zu Gott gelangt, umso stärker fühlt er seine eigene Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit. Er empfindet sich sündiger als alle anderen Menschen. So haben es die Heiligen Väter empfunden. Es gibt viele Beispiele. Sie kennen sie selbst.

Der Zöllner hat sich aus einem anderen Grund als Sünder empfunden. Er hat seine Sündhaftigkeit begriffen und für sie keine Rechtfertigung gesucht. Er hat einfach nur den Herrn um dessen Erbarmen und Vergebung gebeten und diese bekommen. Alle Menschen stehen vor Gott in unendlicher Schuld. Keine auch noch so großen Heldentaten können diese Schuld jemals tilgen. Der Herr selbst sagt, dass auch, wenn ihr all das, was euch aufgetragen war (also alle Gebote), getan habt, dann haltet euch für unnütze Knechte, die einfach verpflichtet sind, all das zu tun, was ihr Herr ihnen gebietet (Lk. 17,10). Das bedeutet also, dass wir alle, die wir in einem fort die Gebote übertreten, verpflichtet sind, uns so zu fühlen wie der Zöllner. Wir sollten also nicht in uns selbst nach irgendwelchen Verdiensten suchen, was auch immer wir in der Tat geleistet haben mögen. Wir bleiben immer unnütze Knechte. Nur die Barmherzigkeit Gottes verzeiht den Sündern und nimmt sie in sein Reich auf.

Das ist der Grund, warum die Heilligen Väter verboten haben, nach besonderen, hohen geistlichen Zuständen zu streben. All unser inneres Ringen soll allein auf die Buße konzentriert sein und auf das, was uns dabei unterstützt. Gott kommt dann ganz von selbst, wenn wir innerlich rein geworden sind, und er es selbst für angemessen hält, zu uns. Wenn das Herz eines Asketen nicht vom Gefühl der eigenen Sündhaftigkeit beherrscht und deshalb nicht zerschlagen ist, dann ist dieser Asket mit unbedingter Sicherheit auf einem falschen geistlichen Weg. Insbesondere derjenige, der sich darum bemüht, mehr als das empfohlene Maß zu beten, sollte darauf achten, dass sein Gebet dem des Zöllners gleicht und sein Herz wie das des Zöllners zerschlagen ist. Andernfalls wird er von den Dämonen in die Irre geführt werden, eine hohe Meinung von sich selbst entwickeln und so in die Fänge von Ehrsucht und falscher geistlicher Verzückung geraten. Möge der Herr uns davor bewahren.

Das ist die Antwort, da ihr ja wissen wolltet, was es bedeutet, im Geiste des Zöllners zu leben. Der Herr hat im Gleichnis vom Zöllner und Pharisäer gezeigt, wie wir beten sollten, worauf unsere Seele ausgerichtet sein sollte und worauf auf keinen Fall (so wie beim Pharisäer). Nach der Menschwerdung des Heilandes und seinen Leiden haben die Heiligen Väter das Gebet des Zöllners durch das Jesusgebet ersetzt. Der Sinn ist der gleiche.



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